Der Geburtsablauf

Gegen Ende der Trächtigkeit weisen verschiedene Veränderungen am Körper und im Verhalten der Hündin auf die bevorstehende Geburt hin. Gewichtszunahme , Zunahme des Bauchumfangs , Anschwellen der Milchleiste und der Scham, sowie der Austritt von zähen, flüssigen Schleim aus der Scham sind typische Signale der fortgeschrittene Trächtigkeit.

Aber auch die Veränderungen im Verhalten der Hündin , so wie : Nestbau, Scharren , Gereiztheit und Unruhe sprechen dafür.

In dieser Phase ist es sehr wichtig , dass die Hündin eine geeignete Wurfkiste zur Verfügung hat, mit der sie sich langsam vertraut machen sollte. Sonst buddelt sie Ihnen den ganzen Garten um oder noch besser: stuft das Bett des Besitzers, als geeignet ein.

 

Hier ist ein Beispiel für eine Wurfkiste :1,20m zu 1,20m groß.

In den letzten 3-6 Tagen vor dem errechneten Termin muss man 3 Mal täglich die Körpertemperatur der Hündin im After messen. Es soll bei circa 38 °C liegen. Fällt es auf 37°C oder sogar darunter , ist es innerhalb der nächsten 12-24 Stunden mit der Geburt zu rechnen. In dieser Phase braucht die Hündin vor allem Ruhe. Ist der Hundebesitzer verunsichert und unruhig , überträgt es sich sofort auf den Hund. Also Nerven behalten!

Eine Wurfkiste an einem warmen, ruhigen Ort ist ideal . Man sollte auch eine gewisse Menge an Welpenmilch (in jedem ZOO-Geschäft oder Internet-Shop erhältlich ) , sowie eine Wärmelampe besorgen.

Der Geburtsablauf unterteilt man ähnlich wie bei den Menschen in 3 Phasen : Eröffnung, Austreibung und Nachgeburt.

Die Eröffnungsphase dauert ca. 6 bis 12 Stunden. Es kommt zur Aufweitung des Geburtskanals . In dieser Phase ist die Wehentätigkeit leicht und unregelmäßig.

Typisch ist der Abgang von einem dünnflüssigen Schleim , Unruhezustände  oder starke Anhänglichkeit bei unerfahrenen Hündinen sind oft zu beobachten. Die Hündin verlässt oft die Wurfkiste, leckt die Scheide , läuft nervös herum.

Die Austreibungsphase beginnt mit dem Eintritt des ersten Welpen in den Muttermundbereich. Die Wehentätigkeit steigt bis hin zur Presswehen (rhythmisches , krampfartiges Zusammenziehen der Bauchmuskeln ). Begleitet von Wimmern und Jaulen der Hündin.  Bei den erstgebärenden Hündinen dauert es bis zur 45 Minuten von Einsetzen der Presswehen bis der erster Welpe auf der Welt ist , bei den erfahrenen Hündinen ca. 30 Min. Zuerst kommt jedoch die Fruchtblase zum Vorschein , die von der Hündin zerbissen wird oder selbst platzt. Ob der Welpe in der Vorderlage oder mit den Hinterfüßen zuerst geboren wird spielt keine Rolle. Wichtig ist , dass es nicht zur Querlage, Schulter- oder Hüftgelenkbeugehaltung kommt.

Mögliche Komplikationen sind :

-          Primäre Wehenschwäche

-          Gebärmutterriss (bei schlecht verheilten Kaiserschnittnarben)

-          Gebärmutterverdrehung

-          Geburtshindernisse z.B. durch schlecht verheilte Beckenbrüche  

-          Zu große Welpen bei Ein- oder Zweiwelpenträchtigkeit

-          Querlagen

-          Missbildungen der Welpen , wie Wasserköpfe oder Gaumenspalten

-          Tote oder aufgegaste Welpen

Falls es bei der Geburt zur Wehenschwäche kommt , soll man den Tierarzt aufsuchen. In allgemeinen gilt : Erscheint 2-3 Stunden nach dem Einsetzen von regelmäßigen Wehen immer noch kein Welpe und zeigt die Hündin die ersten Erschöpfungserscheinungen , soll ein Tierarzt kontaktiert werden. Es muss nicht gleich zum Kaiserschnitt kommen. Wichtig ist es, dass die Herzfrequenz der Welpen kontrolliert wird. Die Infusionen mit Traubenzucker und Kalzium , falls notwendig die Gabe von Oxytocin (Wehenhormon) machen dann Sinn. Bitte nur auf den ärztlichen Rat und nach einer gründlicher  Untersuchung verabreichen, da  die Gabe von Oxytocin zur falscher Zeit kann euch das Leben der Hündin und der Welpen kosten!

Auch homöopathische Präparate können eingesetzt werden. Wir empfehlen das Buch „Unsere Hunde-gesund durch Homöopathie“  von Hans Günter Wolff.    

Bei Wehenschwäche gibt man:

·         Caulophyllum D6  und

·         Secale cornutum D6

¼ stündlich in Wechsel.

Falls man nicht sicher ist, ob alle Welpen auf der Welt sind, gibt man ½-stündlich Cimicifuga D6 . Insgesamt nicht mehr als 5 mal . Es löst nochmaliges Pressen und bringt Nachzügler auf die Welt.  

Befindet sich der Welpe noch in der Fruchthülle, zerbeißt die Hündin diese und leckt den Welpen trocken. Dabei wird die Nabelschnur durchgebissen und die nachfolgende Nachgeburt aufgegessen. Macht die Hündin keine Anstalten den Welpen zu säubern, muss der Hundebesitzer es erledigen. Der Welpe wird von der Fruchtblase befreit und trocken gerieben. Seine Atemwege sollte man von Schleim und Fruchtwasser befreien, damit der Welpe frei atmen kann.

Während der Entbindung kann die Hündin Ruhepausen bis zur 3-4 Stunden einhalten, es sollte aber nicht überschritten werden.

Die Nachgeburtsphase

Nach der Austreibung des letzten Welpen beginnt die Gebärmutter sich zusammenzuziehen. Dabei tritt ein dunklerer, aber geruchsloser Ausfluss auf, der in den nächsten Tagen abnimmt.

Drei bis fünf Wochen nach der Geburt ist der Rückbildungsprozess abgeschlossen.

 

Mögliche Komplikationen in dieser Phase sind :

Bauchfellentzündung, Stau der Flüssigkeit in der Gebärmutter, Zurückbleiben von Nachgeburten oder toten Welpen , bakterielle Infektionen der Gebärmutter, Gebärmuttergeschwüre oder –verletzungen.  Sowie Entzündungen der Milchleiste oder Milchstau.

Als Folge treten :

·         Grünlicher, übel riechender Ausfluss aus der Scheide

·         Fieber

·         Futterverweigerung und Abgeschlagenheit

·         Verspannte Bauchdecke, schmerzhafter Bauch

·         Blutvergiftung

auf. In diesen Fällen sollte man einen Tierarzt aufsuchen.

Bei Milchstau kann allerdings die Gabe von Bryonia D6 , 2-stündlich helfen.

Kommt die Milchproduktion nicht in Gang kann man Urtica urens D30 einmalig geben.

 

Ist die künstliche Aufzucht nicht zu umgehen, sollte man einen Muttermilchersatz in Pulverform und eine Strichflasche mit dem kleinsten Loch am Gummisauger besorgen. Die Mischung wird nach der Anleitung zubereitet und temperiert 37,8°C  in den ersten Tagen stündlich, später alle 2-3 Stunden (auch während der Nacht) den Welpen angeboten. Am besten in waagerechten Stellung die Welpen füttern , um die Fehlschlucken zu vermeiden.

Bei der Aufzucht der Boxerwelpen können wir eine Flasche von MAM zu empfehlen in der Größe 0. Die vermindert Koliken , ist handlich und die Form des Saugers ähnelt der Titze der Hündin.

Kuhmilch ist aufgrund ihrer Zusammensetzung für die Welpen als Muttermilchersatz ungeeignet!

Da der Harn- und Kotabsatzreflex bei den Welpen erst durch das Lecken des Afters durch die Hündin ausgelöst wird, sollte man bei der künstlichen Aufzucht den After und Bauch des Welpen mit dem eingeöltem Finger in kreisenden Bewegungen massieren. Erst dann kommt es zum Stuhlgang, der bei den Welpen gelb-breiig ist. Ab der dritten bis vierten Woche fügt man Nährmittel zu und gewöhnt die Welpen an die Schüssel.       

Züchter
Andre´Schall

Kreuzfeldstrasse 11

77815 Bühl

 

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