Lautsprache der Hunde

Allgemeines 

 

In allgemeinen ist der Höhrapparat der Hunde viel weiter entwickelt als bei uns Menschen. Zum Vergleich , die hörbare Höchstfrequenz liegt bei den Hunden bei 50 000 Hz, bei den Menschen dagegen bis maximal 20 000 Hz.  Auch die niederfrequente Töne hören die Hunde ab 15 Hz, die Menschen erst ab 20 Hz. Die Hunde können ein Geräusch aus vielmals größerer Entfernung hören als Menschen. Zwar haben die Boxer von Natur aus Hängeohren, die den Hörgang zum Teil abdecken. Uns Menschen sind sie, im Punkto hören, trotzdem überlegen.

Die Hunde haben ein sehr gutes Tongedächniss  . Allerdings werden ähnlichklingende Wörter als gleich wahrgenommen. Der Hund unterscheidet die Wörter nicht nach ihrer Bedeutung, sondern nach ihrer Akustik ( Feddersen-Petersen , 1986 ) Daher soll man bei der Wahl der Kommandosignale gut überlegen. Sie sollen sich in ihrer Akustik gut zu unterscheiden sein!

Wir benutzen akustische Signale,  um uns zu kommunizieren , zu verständigen.

Der Hund benutzt akustische Signale meistens nur, um seine körperliche Signale zu unterstützen und zu verstärken.

„Hunde können nicht sprechen, weil sie physikalisch keine Kontrolle über die Zunge, Gaumen, Lippen und Stimmbänder haben.

Da die Hunde aber die Töne unterscheiden, können sie eine passive Sprachfähigkeit entwickeln.“ ( Coren , 2002 ) Intellektuell gesehen entspricht diese sprachliche Entwicklung ca. einem 1,5-2 jährigem Kind.

Für die Hunde sind die Tonlage, die Tondauer und die Wiederholungsintensität sehr wichtig!

Tiefe Töne, wie Knurren, bedeuten fast immer eine Drohung. Höhere Töne , wie Winseln, haben dagegen vollkommen gegenseitige Bedeutung. Je länger ein Hund einen Ton hält, zum Beispiel Knurren , desto sicherer ist er in seim Signal.

Die Häufigkeit der Wiederholung eines Lautes deutet eher auf die Dringlichkeit und die dahinter steckende Erregung hin. Zum Beispiel, ein schnelles hintereinander folgendes Bellen deutet immer auf eine starke Aufregung, wie in positiven so auch in negativen Sinne. Ein Hund, der mit Pausen hin und wieder mal bellt, zeigt ein nachlassendes Interesse.

 

Hier eine kurze Zusammenfassung der akustischen Hundesignale nach Coren.

 

Heulen ist ein „Langstrecken-Kommunikationsmittel“ und ist für einen Hund 1 bis 6 Kilometer hörbar. Es gibt viele Gründe zum Heulen :

-         Um seine territoriale Ansprüche zu befestigen

-         Aus Einsamkeit, um gehört zu werden

-         Manchmal stimmen die Hunde auch bei der Hausmusik, Sirenen und Kirchenglocken ein.

 

Jaulen ist dagegen immer ein Erbitten um die Aufmerksamkeit. Es geschieht aus Langeweile, aus Unterforderung. Es sollte konsequent ignoriert werden!

 

Wuffen ist eine Vorstufe von Bellen und erfolgt zum Beispiel, wenn ein Hund ein Geräusch gehört hat , was er nicht einordnen kann.

 

Bellen ist sehr vielseitig. Da muss man schon zwischen allarmierenden, begrüßenden, verteidigenden, korrigierenden, unsicheren oder auch fordernden Bellen unterscheiden.

 

Bei alarmierenden Bellen ist der Hund sehr erregt. Es dient als Alarmsignal, wenn ein Fremder zum Beispiel das Territorium betritt oder sich nähert. Es ist immer wichtig , dass der Mensch dann die Rolle des Rudelführers übernimmt, um als erster den Kontakt aufzunehmen und die Situation aufzuklären. Der Hund wird dabei abgelegt, der Mensch geht vor.

 

Begrüßendes Bellen : kurze, laute, scharfe Belllaute in der höherer Tonlage. Ein guter Beispiel dafür ist bellen beim ersten Klingeln an der Tür, wenn der Besuch kommt. Dass bringen wir meist unseren Hunden selbst unbewusst bei!  

Es klingelt an der Tür und der Hund rennt als erster hin, bekommt Aufmerksamkeit und wo möglich auch Leckerli. Jetzt ist ihr Besuch zu  „sein Gast“ mutiert , wir sind dann nur die Pförtner, die die Tür nicht schnell genug aufmachen! Es hilft nur, den kleinen Plagegeist komplett zu ignorieren, vor allem ihr Besuch soll sich daran halten.   

             

Bellen an der Leine tritt nur dann auf , wenn der Hund sich eingeschränkt und unsicher füllt.

Bellen zur Verteidigung klingt ganz anders. Es ist ein langsames, anhaltendes Bellen in tiefen Tönen.

 

Korrigierendes Bellen wendet oft die Hündin bei der Erziehung an. Auch wenn der Hund beim Schlaf gestört wurde, gibt er ein scharfes, kurzes Belllaut in mittleren oder unteren Tonlage von sich.

 

Forderndes Bellen klingt wie eine Folge von einzelnen , scharfen, kurzen Belllauten in oberen Tonbereich. Es ist ein Zeichen von Unterforderung, Langeweile. Oft versucht der Hund damit den Menschen zu erziehen. Dieses Bellen dient auch als Spielaufforderung. Dabei geht der Hund mit dem Vorderkörper runter, hält aber den Kopf und den Unterkörper hoch und bellt mehrfach in kurzen hohen Tönen. Auch der Seitensprung wird dabei gern ausgeführt.

Man sollte es ignorieren. Erst in dem Moment , wenn der Hund ruhig wird, selbst ihn zum Spielen auffordern. Sonst bellt der Hund bei jeder Kleinigkeit, hauptsache er bekommt seinen Willen durchgesetzt.

 

Unsicheres Bellen klingt wie eine schnelle Abfolge von Belllauten im Bereich der hohen Tonlage. Dabei zeigt der Hund eine abgesenkte Rute, einen Rundrücken und versucht auf Distanz zu gehen.

 

Knurren ist ein tiefer Tonsignal, der aus der Brust zu kommen scheint. Der Hund setzt es zur Drohung ein, je tiefer und härter der Ton ist, desto sicherer ist der Hund in seinen Absichten.    

Schnaufen deutet meistens auf starke Erregung , zum Beispiel bei der Jagt . Manchmal setzen die Hunde es auch als eine Vorstufe von Knurren ein.

 

Hecheln wird im Normalfall zur Regulierung der Körpertemperatur genutzt. Es kann auch ein Zeichen der Erregung sein. Sexueller Art , wie beim Deckakt, bei dem Imponierverhalten .Es kann aber auch ein Zeichen der Angst sein oder wird zur Stressabbau genutzt. Man sieht sogar oft bei hechelnden Hunden eine Stressfalte hinter dem Maulwinkel, der Hund scheint zu lächeln.

 

Niesen wird auch oft zur Stressabbau genutzt , außer der Hund versucht gerade einfach seine Nase frei zu bekommen.

 

Gähnen ist bei den Hunden auch ein Stress Zeichen / Übersprungsreaktion . Wir beobachten es oft beim Tierarztbesuch,  der Hund muss machen was er gar nicht machen will und versucht der Situation mit Gähnen aufzulösen.   

 

Winseln ist immer ein Zeichen von Unwohlsein, Unsicherheit und Isolation. Es ist ein sehr hoher Ton in unterschiedlicher Stärke und Intensität. Hunde winseln bei Schmerzen oder oft aus Trennungsangst.

 

Schreien / Quicken kommt nur dann vor, wenn die Hunde einen großen Schmerz oder starke Angst haben. Ein Welpe quickt, wenn es zu lange keinen Körperkontakt hat. Es droht Unterkühlung. In einem Rudel würden sofort alle Rudelmitglieder zur Hilfe eilen, würden sich aber, aus Angst selbst verletzt zu werden,  eher auf Abstand halten. Bei den fremden oder schlecht sozialisierten Hunden kann das Schreien eines verletzten Hundes allerdings Beutetrieb auslösen!   

Züchter
Andre´Schall

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